Molli

Der Molli

Die Mecklenburgische Bäderbahn Molli ist mehr als eine Museumsbahn. Seit dem 9. Juli 1886 pendelt sie regelmäßig nach festem Fahrplan zwischen Bad Doberan und der Ostseeküste hin und her.

Die Geschichte vom Molli

Molli auf TourZunächst führte die Strecke nur bis nach Heiligendamm. Als am 9. Juli 1886 der erste Zug fuhr, war es ein Meilenstein in der Geschichte Bad Doberans. Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin hatte an der Wende zum 19. Jahrhundert den Ort, nur wenige Kilometer von der Ostseeküste entfernt, als seine Sommerresidenz ausgewählt. Friedrich Franz I. war es auch, der schon 1793 Heiligendamm als das erste deutsche Seebad gründete. Doch die Verbindung zwischen den beiden Orten war beschwerlich. Nach Heiligendamm gelangte man nur mittels Pferdekutschen.

Am 19. Juni 1886 erteilte Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg die Erlaubnis für den Bau und den Betrieb einer schmalspurigen Eisenbahn vom Bahnhof Bad Doberan in das von seinem Urgroßvater gegründete Seebad Heiligendamm. Innerhalb weniger Wochen entstand die 6,6 Kilometer lange Schmalspur-Strecke in das Seebad, das sich gut entwickelt hatte. Kurgäste kamen mit dem Molli nun bequem zum Baden ans Meer. Die Gleise führten – wie noch heute – durch die Straßen der Münsterstadt Bad Doberan. Daher galt der Zug zunächst als Dampfstraßenbahn. Er fuhr nur während der Badesaison.

Molli Bahnhof OstAm 18. Dezember 1908 beschloss man, die Bahnstrecke bis ins Ostseebad Arendsee, das 1938 zusammen mit dem Ostseebad Brunshaupten und dem Hof Fulgen zur Stadt Ostseebad Kühlungsborn vereinigt wurde, zu verlängern. Seit 1910 zuckelt Molli auf schmaler Spur mit viel Dampf, Gebimmel und flotten Pfiffen zwischen dem heutigen Ostseebad Kühlungsborn und Bad Doberan hin und her. Mit der Verlängerung der Bahnstrecke verkehrten die Züge nicht mehr nur in den Sommermonaten, sondern beförderten die Urlaubsgäste ganzjährig. Die Anbindung an die Bahnstrecke bescherte dem Ostseebad Kühlungsborn nicht nur einen deutlichen Aufschwung, sondern ließ es auch zum größten Ostseebad Mecklenburgs werden.

Der Molli von heute

Molli im BahnhofWas damals als bequemes Fortbewegungsmittel galt, ist heute eine Touristenattraktion, die als kultiges Urlaubserlebnis genutzt wird; für jede Altersklasse ist die Dampflok ein Muss, wenn man hier im Ostseebad Kühlungsborn Urlaub macht. Denn anders als normale Züge dient der Molli nicht nur dazu, um von einem Ort in den anderen zu gelangen, sondern auch um ein Stückchen Geschichte zu erfahren.
In den Sommermonaten und auch von Dezember bis Anfang Januar ist außerdem je Fahrt ein Salonwagen angehängt, in dem warme und kalte Getränke, Kaffee, sowie Kuchen und Gebäck angeboten werden.

Jeweils eine von vier Dampflokomotiven zieht die Waggons in etwa 45 Minuten über die 15,4 Kilometer lange Gleisstrecke zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan. Drei der Loks stammen aus dem Jahr 1932, eine wurde im Dampflokwerk Meiningen nachgebaut und ist erst seit 2009 im Einsatz. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 50 km/h gehören sie zu den schnellsten Schmalspurdampfloks Deutschlands.

Die Route vom Molli

Molli WaggonZu seiner Tour an die Ostseeküste startet der Molli im Bahnhof Bad Doberan und schnauft zunächst bimmelnd wie eine Straßenbahn durch die engen Straßen der Kleinstadt. Die Auslagen der kleinen Geschäfte links und rechts der Gleise sind zum Greifen nah. Nach zwei Stopps in Bad Doberan nimmt Molli Fahrt auf und dampft mit Tempo 40 rund sechs Kilometer in das Ostseebad Heiligendamm. Schnaufend geht es an einer der schönsten Lindenalleen Mecklenburgs entlang. Auf halber Strecke hält der Zug bei Bedarf an der ersten deutschen Pferderennbahn von 1822.

In der weißen Stadt Heiligendamm hält er an und wartet dort auf den Gegenzug, um dann zur nächsten Station weiterzurumpeln. Hier und da erhaschen die Fahrgäste sogar einen Blick auf die Ostsee. Seine nächste Station, an der Molli nur in den Sommermonaten anhält, heißt „Steilküste“. Von dort führt ein Feldweg etwa 300 Meter hinab zur Ostsee mit ihrem langen Sandstrand. Über Kühlungsborn-Ost führt die Fahrt zum Endhaltepunkt Kühlungsborn-West. Hier können sich Eisenbahnfreunde im Molli – Museum über die Geschichte der 900-Millimeter-Schmalspurbahn informieren.

Das Molli – Museum

molli museumDas Molli – Museum zeigt beeindruckende Technik: einen Bekohlungskran, einen Wasserkran, verschiedene Signal- und Kilometertafeln, einen Fahrkartendrucker, alte Telefone oder ein Morsegerät. Einmalig sind die vielen Gegenstände, die über eine Zeit erzählen, als das Zugfahren für den Großteil der Bevölkerung noch die wichtigste Beförderungsart darstellte. Besucher können außerdem verschiedene Gerätschaften, die für die Gleiserhaltung notwendig waren, bestaunen. Eine umfangreiche Laternen- und Schildersammlung sorgt zusätzlich für nostalgisches Flair und wird vor allem bei älteren Besuchern schöne Erinnerungen hervorrufen.

Die Ausstellungsfläche im Außenbereich war ursprünglich der Kleingarten des Bahnhofvorstehers. Nach umfassenden Umbaumaßnahmen ist hier ausreichend Platz für die einmaligen Sammlungsobjekte. Eine der Attraktionen ist das Gleis 1a, das an alter Stelle wiedererrichtet wurde. So können in den Sommermonaten zusätzliche Schienenfahrzeuge bestaunt werden, zum Beispiel die Dampflok 99.332; Molli Restaurantder Postwagen Nr. 71 aus dem Gründungsjahr der Bahn (1886) ist Bestandteil des Fundus, nebst einem historischen Güterwagen.

Ein Museumscafé verwöhnt die Besucher mit vielen Leckereien. Im Sommer können die Gäste im offenen Güterwagen vor dem Café wie in einer Veranda sitzen.
Die gepflegten Bahnhöfe vom Molli strahlen die Eisenbahn-Romantik des vergangenen Jahrhunderts aus. Wer die Dampfloks hautnah erleben will, kann ein Dampflok-Erlebniswochenende buchen und im Führerstand mitfahren oder die Lokführer zwei Tage lang bei ihrer Arbeit begleiten.

Warum heißt der Molli Molli?

Wie Molli zu seinem Namen kam, ist nicht eindeutig geklärt. Es heißt, dass einst eine alte Dame mit ihrem dicken Mops „Molli“ in Bad Doberan in den Zug einsteigen wollte. Ihr Hund war dazu allerdings nicht zu bewegen und riss aus. Erschrocken rief die Dame: „Molli, bleib stehen!“ Der Lokführer des gerade anfahrenden Zuges dachte, die Bahn sei gemeint, bremste scharf und sorgte dafür, dass die Kleinbahn ihren Namen hatte: DER Molli.
Der Molli wurde weltweit als offizielles und einziges Transportmittel des G8 Gipfels in Heiligendamm im Jahr 2007 bekannt.